böckhstraße

 

projektmanagement vorplanung, entwurf und genehmigungsplanung für einen doppelstöckigen dachgeschossneubau für eine private wohnung sanierung der fassade sowie sanierung und erweiterung einer remise für GRAFT architekten
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Der zweigeschossige Dachgeschossneubau ersetzt das bestehende Dach und entwickelt über dem 4. Obergeschoss eine eigenständige Maisonette von klarer räumlicher Identität. Die Erschließung erfolgt über die fortgeführten Bestandstreppenhäuser sowie ergänzend über einen hofseitigen Außenaufzug. Ein eingeschnittener Patio im 6. Obergeschoss schafft einen geschützten Außenraum und verleiht der oberen Ebene eine prägnante räumliche Mitte.

Die Fassaden der Maisonette reagieren differenziert auf ihren Kontext: Straßenseitig strukturieren pilasterartige Elemente die Ansicht unter Bezug auf die Bestandsfassade und rahmen großzügige Panoramafenster, während hofseitig eine ruhige Lochfassade eine gleichmäßige Belichtung sicherstellt. Die durchgängige Bekleidung mit sandfarbenen Faserzementplatten formuliert eine homogene, zeitgemäße Gebäudehülle. Die straßenseitige Bestandsfassade wir vom nachträglich angebrachten Putz befreit und die vorgehängte Mauerwerksfassade behutsam ergänzt und geschlämmt. Die Fenster erhalten zeitgenössische Faschen und der Sockel eine zeitgemässe Interpretation einer Bossenfassade. Die Straßenfassade als Ganzes nimmt so Bezug auf die Gliederung des Nachbargebäudes mit Sockel, Obergeschossen und Dachzone. Die hofseitigen Mauerwerksfassaden werden lediglich gereinigt und aufgearbeitet.

Konstruktiv wird der Dachgeschossneubau in hybrider Bauweise aus Stahlbeton, Mauerwerk und Stahlrahmen realisiert. Ein wesentliches Planungsmotiv bildet das akustische Konzept: Die neue Dachgeschosswohnung ist schalltechnisch vollständig vom Bestand entkoppelt. Elastomer-Lager, schwimmende Aufbauten und eine schalloptimierte Dachkonstruktion minimieren die Schallübertragung und ermöglichen auf Wunsch des Bauherrn eine intensive Nutzung der Räume – auch bei erhöhten akustischen Anforderungen.

Das energetische Konzept folgt dem Anspruch größtmöglicher Autarkie. Eine Photovoltaikanlage versorgt die Wärmepumpe für Heizung und Kühlung, während eine Rigole im entsiegelten Hof zur nachhaltigen Regenwasserbewirtschaftung beiträgt. Das Projekt verbindet gestalterische Präzision, konstruktive Sorgfalt und technische Performance zu einer zeitgemäßen Form der Nachverdichtung.

Die historische Remise (Gebäude II) wird im Zuge der Umnutzung zum Büro behutsam transformiert und durch präzise gesetzte Neubauten ergänzt. Erschließung, Tragwerk und Gebäudehülle werden funktional neu geordnet, während die charakteristische Mauerwerksfassade im Hof erhalten und weiterentwickelt wird. Der Entwurf folgt dem Leitgedanken eines substanzschonenden Weiterbauens, der Bestand und zeitgenössische Ergänzungen zu einem klar strukturierten Ensemble verbindet. Die Büroflächen gewährleisten funktionale, barrierefreie und belichtungsoptimierte Arbeitsräume. Nachhaltigkeit und Regenwasserbewirtschaftung sind integrale Entwurfsbestandteile, unter anderem durch Dachbegrünungen und Rigolen im entsiegelten Hof.

Das Bauvorhaben befindet sich im Erhaltungsgebiet Gräfekiez in Berlin. Die Planung berücksichtigt die städtebaulichen und gestalterischen Zielsetzungen der Erhaltungsverordnung, insbesondere hinsichtlich Maßstäblichkeit, Materialität und Eingriffstiefe. Die vorgesehenen Maßnahmen wurden im Vorfeld mit den zuständigen Behörden abgestimmt, um die Verträglichkeit der baulichen Ergänzungen mit dem schützenswerten Gebietscharakter sicherzustellen.